V – Fünftes Küsschen

Küsschen, weil es im Vergleich zu meinen üblichen Erlebnissen eine Feiertags-Version war

01. Mai 2014

Als mein Wecker heute morgen um 05:55 Uhr geklingelt hat, wusste ich, dass wir uns treffen werden. Nicht dass ich große Lust hatte wieder durch die Gegend zu hetzen, aber ich hatte so’n Gefühl, dass du mich begleiten wirst.

Die Fahrt nach Tegel verlief noch ruhig. In Berlin hab ich gelernt immer ein bisschen mehr Zeit einzuplanen. Manchmal sucht man wegen mangelnder Ausschilderung dann doch mal länger die Anschlussverbindung und am Feiertag fährt alles sicher nicht so oft. Lief aber alles glatt.

Ich gebe zu, ein bisschen habe ich es auf ein Treffen ankommen lassen, da ich mich ja nicht sooo genau an die Vorgaben für`s Handgepäck halte. Bei 7 Tagen kommt halt n bisschen mehr zusammen als 8 kg. (Dafür wiege ich aber auch eigentlich weniger als die meisten meiner Mitreisenden.)

Als ich am Eingang zum Sicherheitscheck stand und mein Handy mit dem Ticket rauskramte, beäugte der Mitarbeiter schon meinen Koffer. Überraschender Weise hatte er nichts an der Größe auszusetzten. Er wollte den Koffer allerdings hochheben. Tja … Ich durfte ihn dann auf die Wage am Check-In stellen. 13 kg! Ok, ein bisschen drüber. Da haben selbst die zusätzlichen 2 kg Freigewicht für den Laptop nix genutzt. Also aufgeben.

Bis hierhin auch noch alles gut.

In München hatte ich zwar nach Ankunft einen Termin im Studio, aber auch einen Puffer von ca. einer Stunde, so dass ich locker auf den Koffer warten konnte.

Ich steige also in das Flugzeug und mach es mir an meinem Fensterplatz bequem. In der sonst sehr vollen Maschine ist der Platz neben mir frei. Für wen wohl … 🙂

Gestern abend wurde es nach diversen Besuchen sehr spät und so wollte ich die verlorenen Schlafstunden etwas nachholen. Ich bin eingedöst, fühlte sich an wie 20 Minuten, waren aber nur so 6-7 Minuten gewesen, wie ich mit Blick auf die Uhr feststelle.

10 Minuten vor der Zeit ist dann sogar das „boarding completed“. Wow, vielleicht kommen wir sogar früher weg. Dass die Flugzeit nur 45 Minuten betragen soll halte ich allerdings für einen Nuschelfehler. Die Stewardess, die die Durchsage gemacht hat, war bestimmt die Schwester vom Kapitän Nuschel. Klang genauso verschnupft und unverständlich.

Als ich aus dem Fenster schaue, fährt gerade der Wagen mit den Koffern an. Unverkennbar ganz oben drauf mein roter Koffer (hab meine Visitenkarte am Griff deutlich erkannt). Und der hat bedenklich gewackelt. Ich hab mich innerlich schon drauf vorbereitet zur Stewardess zu gehen, um ihr zu sagen, dass mein Koffer runtergefallen ist. Aber kurze Zeit später kommen noch ein paar Nachzügler-Koffer. Wäre er runtergefallen, wär es bemerkt worden.

Dann bin ich wieder eingedöst. Reale 20 Minuten später werde ich wach, wir stehen immer noch. Sollte was durchgesagt worden sein, dann hab ich’s verpasst. Ich warte einen Moment. Dann mit 20 Minuten Verspätung geht’s los.

Der Flug ist ruhig. Wir kommen an unserem Lieblingsgate an – ganz rechts außen – maximale Strecke.

Von der Stunde Puffer sind 20 Minuten schon mal weg.
Unten auf dem Gepäckband blinkt noch die Maschine aus Düsseldorf, aber Berlin steht mit 5 Minuten an.
10 Minuten später fängt auch Berlin an zu blinken und die ersten Koffer kommen. Einige rote, aber nicht meiner. Weitere 10 Minuten später bleibt das Band stehen. Was soll denn das? Ca. 25 Reisende sind ratlos. War’s das? Wir warten mehrere Minuten. Nichts passiert. Dann endlich geht das Band wieder an.
Und wie erwartet ist mein Koffer bei den letzten. Mein Puffer schmilzt dahin wie Mutter in der Sonne … äääääh BUTTER in der Sonne (Postcards from the Edge Zitat der wundervollen Meryl Streep)

Ein Blick auf meine S-Bahn App bestätigt mir, dass ich zu spät kommen werde. Und dann entdecke ich das kleine Warnhinweis-Zeichen, dass mich wirklich unruhig werden lässt: Die Stammstrecke ist mal wieder gesperrt. Aaaaaaaaaaaaaaaaaaaah ….

Schnell Nachricht ans Studio schicken und dann nichts wie runter zur S-Bahn. Wenn ich mich ein bisschen beeile, dann bekomm ich die nächste S-Bahn und muss nicht noch weitere 10 Minuten warten.

Den nette Herr, der mir irgendwas andrehen wollte, muss ich herzlos rechts liegen lassen (Nein, ich habe wirklich keine Zeit, auch nicht für Sie! Und wenn Sie noch so treu schauen.)

Und natürlich kommt der Klassiker: Eine Frau vor mir schiebt umständlich ihren Koffer auf die Rolltreppe und stellt sich dann telefonierend so hin, dass ich auch nicht vorbei komm. Zum Glück hat sie mich wahrgenommen, als ich sie höflich gebeten habe mich durch zulassen.

In letzter Sekunde springe ich in die S-Bahn. Und dann halt Murphy Feiertagseinsehen mit mir. Die Stammstrecke ist scheinbar doch nicht gesperrt oder zumindest ist meine S-Bahn eine der Pendel S-Bahnen.

Ich komme somit tatsächlich noch im akademischen Viertel im Studio an.
Jetzt erst ein kühles Wasser und dann kann die Arbeit beginnen.

WILLKOMMEN ZURÜCK MR. MURPHY

 

6 Kommentare zu “V – Fünftes Küsschen”

  1. 1. Mai Tag der Arbeit: wahrlich, 5.55 Aufstehen. Puh!

    Ja , schon, doch, eindeutig,alles klingt nach Dr. Murphy, wenn auch in Feiertagsstimmung.

    Du hast eine S-App, die dir bestätigt, dass du zu spät kommst? haaaaaa haaaaaaaaaaa.
    Hast du auch eine App, die dir bestätigt, du hast gerade etwas gegessen?
    Liebe Marieke, du bringst mich zum Lachen. Danke. Herrlich. The Best….

    Warum hast du dich nicht auf die Gepäckwaage gestellt und den Koffer als Mrs Koffer einchecken lassen? Oh, du Arme, so wenig wiegst du? Oh, zurück, zurück, moment, Mensch, lies doch mal richtig, Martina.
    Ich habe da etwas missverstanden.:) Ich wollte schon ein bisschen trösten. Mit lachenden Augen sehe ich etwas schlechter. Du wiegst weniger als andere Mitreisende nicht weniger …ähm, als dein Koffer. haaaaa.haaaaaaaaa….

    Wenn ich mal so meine Nase in den Nieselregen halte, muss ich sagen: Dein Argument finde ich pfiffig. Der Koffer platzt aus allen Nähten, ein Lächeln in die Augen des Bodenpersonals, Mantel ablegen und die Weniger-Gewicht-als-andere-Kurven demonstrieren. „Bitte, schauen Sie und vergleichen Sie mal mit dem da!“ (Fingerzeig) Bestimmt machst du dir damit Freunde in der Welt der Mitreisenden.

    Bei der LIve-Show wäre ich gerne dabei.

    Du könntest dir aber auch eine Mochila (Umhängetasche) nähen und sie mit dem Differenzgewicht zwischen dir und dem gewichtigsten Mitreisenden auffüllen. Ich lache mich hier gerade in den Boden.

    Da du Vielreisende bist, möchte ich dir einen kleinen Tipp mit auf die Reise geben. Eine Idee.. Schreibe doch das Wort „Liebe“ auf deinen Koffer. Eine Bekannte (Kinesiologin) hat das Wort auf ihrem Koffer stehen. „Den rührt niemand an“, sagte sie mir. Energetisch mit Liebe aufladen. Du bringst alle anderen außerdem zum Lächeln und keiner wagt es, deinem Koffer etwas anzutun. Ich stand am Laufband neben ihr und es war wirklich so, dass alle schmunzelten.
    Du könntest dann die wenigen Minuten im Flieger entspannt schlummern.
    Die Mönche in Thailand binden um manchen Baum, den sie retten wollen, ein Stück ihres orangefarbenen Stoffes. Niemand wagt es, den Baum anzurühren.

    Mutter…Butter….:) Kofferlaufbandpause. Naja, die Männer hinter der Bühne brauchen doch auch mal eine Verschnaufpause. The last will be the first…irgendwann.
    auch auf den Rolltreppen dieser Welt.
    Ja, das ist wohl der Klassiker.

    Meryl Streep, exzellent, meine, eine meiner Lieblings-Schauspielerinnen. Maaaammma Mia-aa-a und so viele andere tolle Filme..

    Daraus ließe sich eine Kolumne schreiben: „Fahren Sie bloß nicht nach Berlin“
    Nach Veröffentlichung bist du deinen Berliner Job und das Einreise-Visum los.

    Murphy du wird noch mein Held.
    Danke.

    1. Liebe Martina!
      Freue mich sehr, dass ich dich zum Lachen bringe 😀 Juchuuuuu!
      Das mit dem Koffer voller LIEBE ist eine wundervolle Idee. Tausend Dank! Werde ich sofort in Angriff nehmen. Bild folgt!
      Natürlich würde ich mir sicher keine Freunde machen, wenn ich Körpergewicht vergleiche, sicher nicht, aber immerhin gibt es ja diese Regelung wegen dem Kerosinverbrauch. Da finde ich, dass man bei mir ein Auge zudrücken kann. Wiege so ca. 53 kg. Aber vielleicht sind demnächst ja alle soooo nachsichtig weil ich demnächst mit einem LIEBES-Koffer reisen werde. Ich freu mich schon. Oh und dann kann ich sicher noch mehr Leute zum Lächeln bringen.
      In diesem Sinne:
      Ich gestalte jetzt meinen Koffer neu …

      1. Ich lache – durchaus. Doch, doch, man sollte ein Auge bei dir zudrücken. 53 Kilo. Ein Mehr von vier Kleider, weiteren sechs Paar Schuhen, eine Tasche Lippenstifte und Mr. Murphy im Gepäck,, wären wir bei 72 Kilo.
        Wirklich, ich bin gespannt auf deine Reisen in den Farben der Liebe. 🙂
        Danke und
        in diesem Sinne (schreibe ich auch gern)
        wenn du das wirklich machst….juchhee…bin ich richtig neugierig auf deine Erfahrungen.
        Gute Reise

Schreib mir was :D

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