VII – Siebter Kuss

Kuss ist nicht gleich Kuss & Bus ist nicht gleich Bus

So wie Kuss nicht gleich Kuss ist unterscheidet sich auch die Qualität der Busslinien – zumindest ist das meine aktuelle Erfahrung.

Bisher bin ich ja mit MeinFernbus gefahren und war überrascht, dass das doch recht bequem ist. Meine letzte Berlinreise war etwas knapp geplant und daher habe ich mich aus preislichen Gründen (kurzfristig Flüge buchen kann man nur machen, wenn man zu viel Geld übrig hat) noch mal für den Bus entschieden. Um allerdings ein wenig Abwechslung rein zu bringen – und da ich mir nicht sicher war, wann ich zurück fahren würde – habe ich für die Hinfahrt wieder MeinFernbus gebucht und rückzus habe ich FlixBus ausprobiert.

Die folgenden Erfahrungen mögen individuell sein, sind für mich aber entscheidend für zukünftige Buchungen 😉

15. Juli 2014

23:45 Uhr, München ZOB
Abfahrt Richtung Berlin.
MeinFernbus scheint wirklich sehr beliebt zu sein, der Bus ist mal wieder fast komplett ausgebucht. Ich hab mir diesmal die hinterste Reihe ausgesucht. Da wo zu Schulzeiten immer die ganz Coolen saßen. Zu der Zeit war mein Platz eher vorne, bei den Strebern und Aussenseitern.
Die letzte Reihe hat 4 Plätze. 2 Mädels gesellten sich noch zu mir und kurz vor Abfahrt setzt sich dann noch ein junger Typ zwischen uns.

Ich bin mir nicht ganz sicher, ob sich Mr. Murphy um mein frisches Aussehen Sorgen macht seit meinem Geburtstag, aber er hat mal schön die ganze Nacht lang die Klimaanlage auf Hochtouren laufen lassen. Ich war zu faul mich aus meiner hintersten Ecke rauszuwurschteln und hab mir meine Jacke übern Kopf geworfen. Wollte ja nicht mit ner dicken Erkältung zum Sprechen in Berlin ankommen.

Irgendwann mal nachts bin ich wach geworden und hatte den hübschen Lockenkopf meines Mitreisenden auf der Schulter. *hihi* Er hat das gar nicht mitbekommen.

Die Nacht verlief aber ruhig und entspannt und ich hab auch fast durchgeschlafen.
Bin also entspannt und ohne Erkältung in Berlin gelandet 😀

19. Juli 2014

23:30 Uhr, Berlin ZOB
Abfahrt Richtung München.
Erstaunlicher Weise standen schon nur wenig Leute vor dem Bus. Ich würde mal sagen der war auch nur zu 30-40% ausgelastet. Ich sollte noch verstehen warum wahrscheinlich. Interessanter Weise hat MeinFernbus Doppeldeckerbusse, während FlixBus nur normale Busse fährt.

Beim Einsteigen wurden wir mit ner coolen Dance Music begrüßt. Da denkt man sich noch nix bei. Geschmäcker sind ja verschieden und es war jetzt auch nicht zu aufdringlich oder nervig.
Ich hatte einen schönen 2er Sitz im vorderen Bereich für mich. Auf der anderen Seite des Gangs saß ein junger Typ aus Salzburg, der sich nicht sonderlich über die Musik freute. Aber egal, die würden sie schon abstellen, wenn wir erstmal unterwegs waren. Ist ja ne Nachtfahrt.

Um Mitternacht lief die Musik immer noch. Ich hatte sicherheitshalber Oropax in der Tasche, aber auch die konnten die Geräuschkulisse nicht ausreichend dämpfen, um einschlafen zu können. Also bin ich dann kurz nach 12 nach vorne gestiefelt und habe darum gebeten, die Musik leise zu machen, da ich gerne schlafen wollte (Ich hatte ehrlich gesagt gehofft, er würde den Wink verstehen). „Natürlich können wir das machen.“ War sehr nett der 2. Fahrer. Mit Oropax hat das für mich auch gut funktioniert. Da es bis zu diesem Zeitpunkt schon niemand anders gestört hatte, dachte ich könnte ja auch jemand anders Bescheid sagen, falls es noch zu laut ist. Für mich passte es.

Ich war gerade am Einschlafen, als ich eine ziemlich penetrante, überdrehte Stimme vernahm. Durch die Oropax konnte ich nix verstehen, aber der Klang hat gereicht, mich aus dem Einschlummern zu reißen. Dann hörte ich direkt hinter mir einen genervten Stöhner. Als ich mich umschaute entdeckte ich 3 Reihen hinter mir eine (der Sprache nach) Spanierin, die sich in typisch südländischem Temperament mit irgendjemandem am Telefon unterhielt. Es scheinte sie in keinster Weise zu stören, dass sie nicht allein auf der Welt war und die meisten Mitreisenden versuchten zu schlafen. Ich versuchte sie zu ignorieren und dachte, vielleicht ist es ja wichtig und sie hört sicher bald auf.
Pustekuchen!!!

Das schlimme ist, dass wenn man sowas einmal wahrgenommen hat, man es auch nicht mehr ignorieren kann. 5 Minuten später war ich dann auch schon leicht genervt, 10 Minuten später war ich ziemlich genervt und kurz danach bin ich aufgestanden und zu ihr hinter. Was mich wundert ist, dass sich bis dahin sonst noch keiner beschwert hatte. Ich sagt ihr, dass sie doch bitte leise sein solle, dass es mittlerweile halb eins ist, hier Leute sind die schlafen wollen und sie den ganzen Bus beschalle. Ich bin wirklich freundlich geblieben. Sie hat mich nicht wirklich beachtet. Ich hätte ihr am liebsten gesagt sie solle doch bitte zum telefonieren vor die Tür gehen. Ein paar Minuten später hat sie dann doch tatsächlich aufgehört.

Trotz allem war es keine angenehme Fahrt. Die Sitze scheinen weniger gepolstert und schmaler zu sein als bei MeinFernbus. In jedem Fall hab ich keine bequeme Position gefunden und war immer wieder wach. Zwischendurch ist mir mal das Bein richtig fies eingeschlafen.
Jedesmal wenn ich wach wurde (so alle 30 min) fiel mir auch auf, dass das Radio immer noch lief, aber mit dem Oropax lies sich das gut ignorieren.
Irgendwann wusste ich nicht mehr wie ich sitzen sollte. Selbst beide Füße hoch auf dem 2. Sitz war nicht bequem, da bohrte sich dann der sehr breite Fenstervorsprung in meinen Rücken.

So auf Höhe Neufahrn/Freising, um 6:30 Uhr war ich dann irgendwie so wach, dass ich gar nicht mehr versucht habe noch mal zu schlafen.

Kaum waren wir in München selbst, ging ein Wecker irgendwo in der Nähe an:

Guten Morgen, guten Morgen, guten Morgen Sonnenschein! Diese Nacht blieb dir verborgen, doch du darfst nicht traurig sein.

Das wiederum zauberte ein Lächeln auf meine Lippen. Cooler Wecker-Klingelton. Aber niemand rührte sich. So kam ich in den Genuss mir das Lied mal komplett anzuhören. Am Ende des Liedes schliefen immer noch alle um mich rum. Und der Sonnenschein wurde ein zweites Mal begrüßt. Ich konnte meine neu erworbenen Textkenntnisse vertiefen. Es regte sich immer noch niemand. Auch die dritte Wiederholung fand ich noch amüsant. Ich war ja auch immerhin wach. Mittlerweile hatte ich festgestellt, dass das Handy zu meinem indirekten Sitznachbarn aus Salzburg gehörte. Der hatte echt nen tiefen Schlaf. Als Nana Mouskouri aber zum vierten Mal ansetzte den Sonnenschein zu begrüßen und ihm zu erzählen, dass er gerade die schönste Zeit ihres Lebens verpasst hatte, fasste ich mir ein Herz, griff nach dem Handy und schaltete den Wecker aus.

Den Fahrerwechsel und den Zwischenstopp in Nürnberg hatte der Fahrer so unsanft durchgesagt, dass sowieso jeder wach werden würde, wenn wir kurz vor der Hackerbrücke ankommen.

Das lustigste war, als der Wecker kurz vor der Durchsage nochmal anging, dauerte es keine 3 Sekunden, da war der Typ wach und machte hektisch den Wecker aus. Ich verkniff mir zu sagen, dass ich nach 3 Runden jetzt den Text hätte mitsingen können.

Dank meiner jungen Jahre hat mir die unbequeme Fahrt nicht soviel ausgemacht, aber Flixbus wird mich als Kundin nicht mehr wiedersehen!

In Tutzing angekommen bin ich dann erstmal in den See gesprungen bevor ich mich für 3 Stunden in mein Bett gekuschelt habe um ein bisschen was von der Nacht nachzuholen.

Schönen Sonntag lieber Mr. Murphy

 


 

Post Scriptum
Für alle, die sich für den Songtext interessieren 😀

Guten Morgen, Guten Morgen
Guten Morgen, Sonnenschein
Diese Nacht blieb dir verborgen
Doch du darfst nicht traurig sein
Guten Morgen, Sonnenschein
Nein du darfst nicht traurig sein
Guten Morgen, Sonnenschein
Weck mich auf und komm herein

Alles kannst du ja sehen
Auf dieser Erde, auf dieser Erde
Doch nun ist es geschehen
Dass ich auch ohne dich glücklich werde
Die allerschönsten Stunden
In meinem Leben, in meinem Leben
Hab ich heut Nacht gefunden
Du hast geschlafen, so ist das eben

Guten Morgen, Guten Morgen
Guten Morgen, Sonnenschein
Diese Nacht blieb dir verborgen
Doch du darfst nicht traurig sein

Guten Morgen, Guten Morgen
Weck mich auf und komm herein
Und auf deinen Sonnenstrahlen
Tanzen meine Träumerein

Guten Morgen, Sonnenschein
Nein du darfst nicht traurig sein
Guten Morgen, Sonnenschein
Weck mich auf und komm herein

Wenn ich sehe wie deine Strahlen
So vor mir spielen, so vor mir spielen
Dann versuch ich mir auszumalen
Wie es heute Nacht war, kannst du es fühlen
Der Tag öffnet gerade die Augen
Lass ihn noch träumen, lass ihn noch träumen
Er wird dir sowieso nicht glauben
Was in der Nacht die Tage versäumen

Guten Morgen, Guten Morgen
Guten Morgen, Sonnenschein
Diese Nacht blieb dir verborgen
Doch du darfst nicht traurig sein

Guten Morgen, Guten Morgen
Weck mich auf und komm herein
Und auf deinen Sonnenstrahlen
Tanzen meine Träumerein

Guten Morgen, Sonnenschein
Nein du darfst nicht traurig sein
Guten Morgen, Sonnenschein
Weck mich auf und komm herein

Guten Morgen, Sonnenschein (11 x)

4 Kommentare zu „VII – Siebter Kuss“

  1. Fernbus&Fixbus. Klingt wie Ahörnhen und Bhörnchen haaaaaaaaaaaaaaaa haaaaaaaaaaaaaa. Ich lache herzlich. So sehr lache ich, Eine wunderbare Geschichtenerzählerin bist du..

    „Gehen Sie doch zum Telefonieren bitte vor die Tür..“ Handy wärevermutlich schon vom Fahrtwind weggerissen. worden..
    Manchen fehlt die Empathie – sie bemerken leider auch nicht, wie sehr sie zumeist in ihr Handy hineinbrüllen. Marieke läuft mit Oropax durch den Bus. Musik durch die Nacht. Nein Bus ist nicht gleich Bus.
    Song-Text lernen mitten in der Nacht „Guten Morgen, guten Morgen – meine Vater liebte Nana Mouskouri- natürlich waren es ihre Augen..Sie gehörte darum für eine kurze Phase zu meiner Kindheit dazu. haaahahahaahahahaa, Weiße Rosen aus Athen…haaaaaaaaaaaaaa haaaaaaaaaaaaaaa Guten Morgen Sonnenschein war auch dabei – was 11x….der Song geht aber gewaltig in die Tiefe.. „Guten Morgen, Sonnenschein“ .- hahahaah, du hast den Wecker ausgestellt – zu freundlich, du hättest ihm auch deinen Ellenbogen in die Rippen stoßen können. Nein, wirklich lieb von dir, lieber den Text einzupauken. Eine Trainingsstunde..Ein tief schlummernder Jüngling an deiner Schulter – haaahahahahaha –
    Die Klimaanlagen sind grauenvoll. Ich fror im mexikanischen Bus.
    Ja sicher, für dich als Stimmen-Workerin ist das sicherlich noch ein ganz anderes Thema. Wie schön, dass du mit glockenklarer Stimme in Berlin ankamst.
    Ich sehe kaum noch etwas vor lauter Lachen. Als Streberin und Außenseiterin hast du früher im Bus in den vorderen Reihen gesessen. Du bist „ne Streberin“ haaaaaaaaaa haaaaaaaaaaa. Außenseiterin – oh ja, die Kids können gnadenlos sein. Dafür bist du heute Schauspielerin und darfst deine Stimme in Mikrofone flüstern und sitzt in interessanten Projekten – die Coolen und Ausgrenzer sitzen vermutlich jetzt als Beamte in Ja-Sager-Verwaltungsetagen des Amtes für Gewichtsüberprüfungen der grünen Gurken der Größe klein und mittelgroß..

    Stimmt. Die Coolen saßen immer ganz hinten. Nein, also ganz vorne ging nun wirklich nicht. :), außer bei Klassenfahrten, da gab`s die schönen Reisebusse, da saß ich gern direkt neben dem Fahrer oder direkt hinter ihm: Alllllles bestaunen. . Aber ganz hinten – ging auch nicht, da musste man doch immer ganz schnell sein,da saßen doch immer die großen Bengels. Dieses Gedränge mochte ich noch nie.
    „Guten Morgen, guten Morgen, diese Nacht blieb mir verborgen ähm dir verborgen…shalla laali lalllaaa-aa.
    summ summ…Danke für deine PS-Sendung. Doch, doch der Text interessiert mich sehr…Du darfst doch traurig sein….im Sonnenschein….Guten Morgen. Guten Morgen….ich muss noch tiefer in den Text kommen….

    .
    Das wäre auch eine interessante Serie für einen Blog.
    Was unternimmt eine Stimmen-Workerin täglich, um bei Stimme zu bleiben?.

    Dein Schwimmen im See – also da bin ich ganz still geworden. Wie schön ist das denn, aus dem Bus hinein in den See.

    Gibt es noch andere Busgesellschaften? Du solltest sie alle ausprobieren – Marieke als Blogbuskundschafterin auf Tour. Der Geschichten wegen…der Geschichten wegen…
    Ein schöner Sonntag, lieber Mr. Murphy. Danke.Danke

    1. Liebste Martina!

      Ich liebe deine Antowortposts ❤
      Sie bringen mich jedes Mal zum Lachen und Schmunzeln. Allein dafür lohnt sich mein Blog. Potenzierung positiver Energie. 😀

      Ach und übrigens zu meiner Synchrontätigkeit hab ich auch einen kleinen Blog, allerdings ist mein Beitrag über die Stimme und Übungen seit geraumer Zeit im "Entwurf" Modus. Vielleicht sollte ich das endlich mal ändern …
      https://marieke2012.wordpress.com/

      Ja "mein" See ist ein Traum und eine echte Oase für mich. Sollte es dich mal in den Süden verschlagen musst du vorbei kommen 🙂

      Tja und leider fahren die anderen Busgesellschaften nicht über Nacht. Und tagsüber mag ich nicht für 7 Stunden im Bus sitzen. Dann lieber Bahn, da kann ich rumlaufen.

      Eine traumhafte Nacht & ein Sternen-Bussi

      1. Du Liebe,
        danke, danke ,
        Potenierung positiver Energie ,genau.

        Es liegt also etwas in Vorbereitung zum Thema Stimme und Übungen – find`ich ja richtig gut.
        Bin gespannt.
        du betreibst zwei Blogs, Respekt, Schaue ich später gerne vorbei.

        Genieße deinen See – es gibt nichts Schöners als sich in Rückenlage auf dem See treiben zu lassen und in den Himmel zu träumen. IN heidelberg durfte ich auch einen See genießen. Hier in Bonn gibt s zwei Flüsse. Vater Rhein, und die Frau Sieg, sie mündet in den Rhein. Zum Sonnen, aber nicht zum Treiben lassen geeignet – landete ich flugs in Köln bei der Strömung…hahahahaha.ähm ups…nö, lieber nicht. ..Danke für dein liebes Angebot – werde ich nicht auslassen, den Besuch am See, gerade sieht es aber nicht danach aus.

        Du könntest dich vielleicht nach Schifffsgesellschaften umhören – mit dem Schiffchen wäre auch noch spannend. 🙂 Ahoi. Tucker.Tucker,….
        Tagsüber würde ich auch die Bahn vorziehen.

        Die Nacht war eine traumreiche , süß ein Sternen-Bussi. Danke. der Süden hat immer liebe Worte.

        Ich wünsche dir für heute Nacht eine vorbeizischende Sternenschnuppe 🙂 Jawohl. Und morgen eine aufregende Fahrt mit der DB. Bin auch schon ganz aufgeregt. 🙂
        Sonniges im Herzen
        martina

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