XX – Zwanzigster Kuss

Mr. Murphy, du scheinst Spaß am Fliegen zu haben.

Es hätte so schön werden können.
Mein Flug sollte planmäßig um 20:40 Uhr in München starten und gegen 21:40 Uhr in Berlin landen.
Ich hatte den Nachmittag frei und bin somit ganz entspannt zum Flughafen gefahren. War 40 Minuten vor Abflug am Terminal.
Team „Gute Laune“ hatte Dienst am Sicherheits-Check. 😀
Sowohl ich als auch mein Handgepäck gaben aber Anlass zu Beanstandung. Der Herr am Band schaute meinen kleinen roten Liebe Koffer an, studierte schön, was drauf steht und meinte dann:
Auch wenn da ganz viel Liebe drin ist, ich muss trotzdem mal aufmachen.
Der war echt vorsichtig und hat nix durcheinandergebracht
und konnte sogar noch im DutyFree shoppen. Habe mini-kleine Nutella-Dosen entdeckt 😀

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Nutella-Dose nur Daumenhoch

Einstieg lief reibungslos.

10 Minuten früher als geplant war „boarding completed“ und ich hab mich schon gefreut früher in Berlin zu sein.
Es passierte aber nix. Naja war ja auch noch nicht planmäßige Abflugzeit.

Dann ein Klopfen, ziemlich direkt unter meinem Sitz. Der Typ hinter mir macht den Scherz, dass da jemand raus will.

10 Minuten später dann die Durchsage von Kapitän Völker.
Es gibt technische Probleme mit dem ABS System, die Techniker sind bereits dran, aber er kann noch nicht sagen wie lange es dauert. Aber er wird nur fliegen, wenn alles 100% sicher ist.
Beruhigend zu wissen!

20 Minuten später: Um uns den Aufenthalt an Board angenehmer zu machen bekommen wir schon mal Getränke. Sollte allerdings eine Freigabe erfolgen, wird der Service abgebrochen, damit wir starten können.
Die Stewards kommen komplett durch’s Flugzeug. Vor mir sitzen allerdings drei Gackerhühner, die sich Bloody Mary bestellen wollen. Gibt’s nicht. Der Sekt fördert das Gekicher leider.

30 Minuten nach planmäßigem Start eine weitere Durchsage:
Alle Passagiere gebucht nach Tel Aviv sollen bitte umgehend das Flugzeug verlassen, sie werden auf eine andere Maschine umgebucht.
Klingt irgendwie nicht danach, als wenn sich das Problem demnächst lösen lassen würde.
Andererseits scheinen sie ja noch der Meinung zu sein, dass es eine Lösung gibt, sonst hätten sie uns vermutlich auch rausgelassen.
Ich beobachte die Techniker am Flugzeug. Die ganze Zeit waren es 2, die mit einem Wagen da waren. Jetzt kommt ein weiterer Wagen mit 2 weiteren Technikern.
Also weiter warten. Ich habe morgen einen langen Tag vor mir, also versuche ich ein wenig zu schlafen. Fällt mit den Hühnern schwer.
Der eine Techniker telefoniert. Und fuchtelt dabei wild mit den Händen in der Luft rum. Er sieht nicht glücklich aus.
Es klopft, es wird ins Cockpit gelaufen, telefoniert, …

Nach weiteren 30 Minuten, mittlerweile 21:40 Uhr, dann wieder eine Durchsage:
Die Maschine ließ sich leider nicht reparieren. Ersatzteile konnten nicht besorgt werden. Der Flug wird abgebrochen, wir sollen bitte alle die Maschine verlassen. Eine Kollege wird uns in Empfang nehmen.

Keine Ansage wie es weitergeht, ob es weitergeht, wie AirBerlin die Situation handhaben will.
Ich checke zur Sicherheit mal Bus- und Bahnverbindungen.
Bahn wird knapp. Und danach kommen die Züge erst so spät in Berlin an.
Für Bus hab ich noch Zeit.

Auf dem Weg zurück in den Wartebereich empfängt uns ein Mitarbeiter, der uns mitteilt, dass wir eine Ersatzmaschine bekommen werden. *juchuuu* Dann komm ich wenigstens noch heute nach Berlin.

Zurück zu A26, da wo vor über einer Stunde alles begann. Mittlerweile ist hier aber gar nichts mehr los. Alle Shops zu, nur was zu essen und zu trinken gibts noch. Die arme Stewardess vom Bodenpersonal des Flughafens ist etwas überfordert. Sie hat genau den gleichen Wissensstand wie wir darüber, wie es weitergehen soll. Allerdings meint sie, dass ja genügend Maschinen gelandet sind, da wird man eine bereit stellen können. Allerdings werden wir mit dem Bus raufahren müssen.

Die Steckdosenplätze werden bevölkert und alle Raucher quetschen sich in die kleine Raucherbox. Sieht sehr lustig aus. 😉

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Dreimal kommt die Aufforderung, dass sich alle Passagiere umgehend zum Ausgang A26 begeben sollen (auch wenn mittlerweile die beiden Mitarbeiter an A27 stehen) Ab dem zweiten mal nehmen das immer weniger Leute ernst.

22:00 Uhr Einige Passagiere müssen von ihren Sitzplätzen umgebucht werden. Ist ein anderen Flugzeugtyp. Das dauert. Hab das Gefühl, die hat die halbe Passagierliste verlesen.

22:28 Uhr bewegt sich immer noch nix

IMG_090622:30 Uhr wieder eine Durchsage:
Die Maschine wäre jetzt zum Einsteigen bereit, aber der Flughafen hat ein Abfertigungsstop verhängt. Wegen starkem Unwetter.
Ich hatte es vorhin 2 mal blitzen sehen, aber ein Unwetter?

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Tja scheint zu stimmen. Allerdings gilt die Warnung noch bis 23.00 Uhr. Ohjeeee!

Galgenhumor ist war sehr unterhaltsames. Eine Frau hatte die Durchsage nicht mitbekommen. Sie bekommt es erzählt und ärgert sich. Eine weitere Dame meinte: „Aber besser, als wenn wir abgestürzt wäre“. Die Antwort: „Och ich weiß nicht!“ GEHTS NOCH!
Aber besser fand ich: „Wahrscheinlich müssen wir dann nach Schönefeld fliegen, dann gibt’s da keine Taxen mehr und wir müssen im Hotel übernachten.“ „Wurde da nicht der Tatort gedreht?“

22:57 Uhr ENDLICH! Freigabe und der Bus ist da, der uns zum Flugzeug bringt. Allerdings müssen wir laut Durchsage von A nach D? Wir werden alle in den einen Bus gequetscht und dann geht’s los. Nach nur 6 Minuten kommen wir am Flieger an. Aber der ist wohl doch noch nicht ganz fertig. Weitere 6 Minuten warten wir im Bus. Dann gehts los. 2. Versuch:

IMG_0908IMG_0909Die Maschine ist ein bisschen kleiner, aber immerhin ein fliegender Untersatz. Jetzt muss nur noch technisch alles ok sein!

Die gleiche Crew begrüßt uns.

Dann hör ich wieder die beiden Jungs hinter mir. Der eine regt sich auf, dass wir nach Schönefeld fliegen.

??????? Was, echt jetzt ?????? Ich frage sicherheitshalber nach, aber er meint, dass hätte er beim Reingehen gehört und es wird noch eine Durchsage geben.

23: 20 Uhr Der Kapitän scheint Humor zu haben, oder er ist wirklich genervt.

„Das Vorstellen kann ich mir ja sparen, ich bin immer noch derselbe. Die gute Nachricht ist, es ist alles in Ordnung und wir werden gleich starten. Der einzige Wermutstropfen: Wir müssen nach Schönefeld fliegen, weil Tegel schon zu hat.“

Aber immerhin habe ich für den Flug nette Gesprächspartner. Die Jungs hinter mir und die nette Dame neben mir. Von den beiden erfahren wir auch, dass man laut EU Recht ab 3 Stunden Verspätung Anspruch auf 250,- € hat. Dafür müssten wir aber noch 15 Minuten warten. Tun wir dann auch. Trotz „boarding completed“ können wir wohl noch nicht los.
Ein Freund bietet mir an mich in Berlin Schönefeld abzuholen. Da sage ich nicht nein 😉 Wie schön!

Dann fahren wir los (eigentlich 5 Minuten zu früh für die 3 Stunden, aber wir sind ja noch nicht gestartet)
Wir starten von Terminal 1 im Westen des Flughafens und fahren zur nördlichen Startbahn. Wir fahren … und fahren … und fahren. Irgendwie hab ich das Gefühl, der Pilot will vielleicht doch sicherheitshalber die Straße benutzen.
Zum Glück gibt es ja die schönen Karten auf den Monitoren. Wow, wir sind wirklich die gesamt Strecke abgefahren. Ich kann auch durchs Fenster sehen, dass da gleich nicht mehr viel kommt.

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Und dann schaltet er die Turbinen an.
Ääähm, moment mal, falsches Timing.
Wir fahren immer weiter. Laut Karte ist hier schon kein Rollfeld mehr.
Aber dann macht er doch ne Kurve.

Aus dem Cockpit kommt noch ein knackiges „Na dann, pack ma’s!“ und es geht los.

Der Flug verläuft ruhig. Kurz vor Berlin bekommen wir mitgeteilt, dass AirBerlin 20 Taxen organisiert hat. Wer seinen Boarding Pass vorzeigt, der wird nach Tegel geshuttelt.
Klingt wie ein schlechter Scherz! Was wollen wir denn – wahrscheinlich gegen halb 2 – in Tegel??? Da ist doch gar nix mehr!!! Da fährt doch auch kein Bus und nix???

00:40 Uhr landen wir in Schönefeld. Wieder auf dem Rollfeld. Aber der Bus kommt schon.
Kurz bevor ich und die beiden Jungs aussteigen, hält uns der Steward zurück. Der Bus ist voll, es gibt nur einen und wir müssen warten bis der wiederkommt. Ein Chinese wartet noch mit uns. Der Steward ist echt nett und wir unterhalten uns. Er meinte, man könne die Taxifahrer ja fragen, irgendwo zu halten. Aber AirBerlin zahlt ihnen halt die Strecke Schönefeld-Tegel.
Draußen warten auch noch Leute. Dann kommt der Bus, wir steigen ein und dann hat dieser Flug ein Ende.

Mein persönliches Highlight nach dieser Erlebnis:
Ich werde wirklich in Schönefeld mitten in der Nacht abgeholt und nach Hause gefahren. ❤ DANKE!!!

Kurz vor 2 bin ich zuhause und falle todmüde in mein Bett.

Good Night Kiss to Mr. Murphy & meinen nächtlichen Ritter auf seinem 4rädrigen Ross

 

2 Kommentare zu “XX – Zwanzigster Kuss”

  1. So gut. So gut, wieder hier zu sein .Ich lache in Endlos-Schleife.
    Eine weitere Dame meinte: “Aber besser, als wenn wir abgestürzt wäre”. Die Antwort: “Och ich weiß nicht!” GEHTS NOCH!“ 🙂 sehr lachend……auch über dein Mini-Glas Nutella. Wenigstens wühlte man sehr liebevoll in deinem Koffer herum.
    Tel Aviv-Passagiere haben ein sehr viel höhereres Sicherheitsbedürfnis, sie werden immer gleich wieder herauskatapultiert aus einer dubios wirkenden Maschine.
    … der Hin-Guck-Kasten für Nichtrauchende scheint trendy. So sehen also Raucher aus. Herzlich lachend. Sah ich einst in Dubai – Menschen in Nebel verpackt im Glaskasten. Genuss pur. Wie fühlt man sich nur als Raucher in so einem Kasten?
    Man kann es kaum glauben, was sich im Leben auftut, wenn es unter dem Sitz klopft. Das war kein Flug – das war eine Einheit aus deinem Überlebenstrainingsprogramm. Über Rollfelder kurvig hinausfahren. Cooler Captain! Er hat`s offensichtlich knackig „gepackt“. Und:
    Glückerweise hattest du einen Ritter, der dich zu nächtlicher Zeit abholte!!!
    Ich lache weiter….Murphy, Murphy….

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