VIII – Achter Strahl – Kirche am Hohenzollenplatz, Berlin

12. Juni 2015 – KIRCHE AM HOHENZOLLERNPLATZ, Berlin

Ich habe vor ein paar Tagen bei Facebook das Bild einer Kirche gesehen, die mich so fasziniert hat, dass ich heute gleich hin musste.
Die Kirche am Hohenzollernplatz, eine evangelische Kirche, das besondere ist, dass die ganze Kirche in regenbogenfarbenes Licht getaucht ist.

Aber fangen wir aussen an:

Kirche_Hohenzollernplatz_1961
Kirche am Hohenzollernplatz

Roter Stein, recht schmal. Was ich leider nicht richtig fotografiert habe sind die vielen vergoldeten Steine auf der Längsseite, da diese im Schatten lag, funkelten die auch nicht wirklich.

Ich war kurz vor 1 an der Kirche. Leider war sie jedoch gar nicht offen. Aber dann entdeckte ich einen Aufsteller, der ankündigte, dass bis November eine Kunstausstellung stattfindet „SALOME – Anatomie eines Tanzes“ und dafür gibt es die Offene Kirche: Di, Do, Fr von 14-18 Uhr und Mi, Sa von 11-13 Uhr.
Juchu!!! Also nur ein Stündchen warten und ich könnte rein.
Aus der Kirche erklingt Orgelmusik.

Direkt vor der Kirche ist der Delphinbrunnen.  Leider ist kein Wasser im Brunnen, aber auch so ist er wunderschön. Delphine sind ganz besondere Wesen, die ich sehr liebe. 🙂 Und ich finde kaum ein Tier würde ich so sehr mit Regenbogenfarben assoziieren, wie den Delphin (ausser die Einhörner vielleicht noch 😉 ) Ob das bewusst so gewählt wurde?

Ich laufe ein bisschen um die Kirche rum:

Da immer noch Zeit ist, gehe ich in der Nähe noch was essen. Lecker Indisch 😀
Und dann ist es endlich 14 Uhr.

Kirche_Hohenzollernplatz_1941
Vergoldeter Eingang

Die Zahl 3 ist hier ganz offensichtlich vorherrschend. 3 Delphine, 3seitiger Eingang, 3seitiger Innenraum, passt zur Dreifaltigkeit!

Wie ich erwartet habe bin ich die einzige.
Das Regenbogenlicht im Inneren ist unbeschreiblich. Mir fehlen immer noch die Worte. Es ist einfach unglaublich schön. Auch wenn es aussieht, als wäre das eine Beleuchtung, es sind die bunten Fenster, die diese Atmosphäre erzeugen.
Eine schlichte, evangelische Kirche und doch so prunkvoll.

Als ich ein Bild mache, blitz meine Kamera leider. Hatte vergessen, das auszuschalten. Die Dame, die die Aufsicht hat und mich bis dahin nicht bemerkt hat, weil sie Kerzen Kirche_Hohenzollernplatz_1970anordnet, dreht sich um und schaut mich einige Zeit wortlos und prüfend an. Ich bekomme ein bisschen ein schlechtes Gewissen, was falsch gemacht zu haben. Ich grüße sie freundlich und sie erwidert. Trotzdem wirkt sie eher streng. Ich gehe schnell in den rechten Kirchengang und schaue mir die Ausstellung an. Berührt mich nicht wirklich. Ich blicke lieber wieder auf die bunten Fenster. Ausserdem gibt es eine sehr schöne Orgel. Schade, dass der Organist nicht mehr spielt.

Kirche_Hohenzollernplatz_1972
IMG_1235

 

Die Dame ist mittlerweile vor in den Altarraum gelaufen und verschwunden. Ich gehe auch nach vorne.
Ein schlichter, goldener Altar mit 2 Kerzenleuchtern und ein großartiges 3spaltiges Glasmosaik

Altar
Altar

Kirche_Hohenzollernplatz_1227

In dem Moment taucht die Dame aus der Tür im Altarraum wieder auf und kommt auf mich zu.
„Gott hat ein Auge auf Sie! Er schaut auf Sie!“ Irgendwie klingt das ein bisschen bedrohlich. Vielleicht kommt es mir auch nur so vor, weil ich immer noch ein schlechtes Gewissen habe, dass ich mit dem Blitz was falsch gemacht habe. Aber die Dame ist so ernsthaft. Sie wiederholt nochmal „Gott hat ein Auge auf Sie! Er schaut auf Sie herunter! Verstehen Sie?“ Damit deutet sie zur rechten Seite, wo die Kanzel ist. Ich folge ihr mit meinem Blick, aber ich weiß beim besten Willen nicht, was sie meint. „Gott hat ein Auge auf Sie! Er schaut auf Sie herunter!“ Ich trete näher zu ihr, um zu verstehen, was sie will. „Nein, gehen Sie mal ein bisschen zurück!“ Ich trete ein paar Schritte zurück, sie kommt neben mich und deutet ganz nach oben auf das vorderste, blaue Fenster.

Kirche_Hohenzollernplatz_1229
Das Auge Gottes

„Gott hat ein Auge auf Sie!“ Ich bin gerührt. „Oh, vielen Dank! Das ist wirklich eine ganz wunderschöne Kirche!“  Die Dame nickt nur und geht wieder an ihren Platz am Eingang.

Ich weiß gar nicht so genau was es ist, aber plötzlich überrollen mich meine Emotionen, ich bekomme weiche Knie und setzte mich in die erste Reihe. Tränen kullern mir die Wangen runter.
Ich glaube auf der einen Seite war es dieser Urwunsch nach Ich sehe dich und auf der anderen Seite hab ich in letzter Zeit das Gefühl gehabt mein Leben ist so unspirituel geworden. Auf jeden Fall war es ein lösendes, warmes Gefühl. Ich fühle mich aufgehoben und geborgen.

Ich genieße es in den Farben zu sitzen, in den Farben der Chakren, in den Farben, die zusammen das göttlich weiße Licht ergeben.
Innerlich singe ich das Gayatri Mantra.

Ich bin völlig beseelt von dieser Segnung.

Ich schaue mir auch noch den anderen Teil der Ausstellung an, aber eigentlich nicht wirklich.
Ich werfe noch 5 Euro in die Kollekte und gehe nochmal rüber zu der Dame. Ich bedanke mich nochmal und wünsche ihr einen schönen Tag. Das Auge sieht der normale Besucher sicher so gut wie nie. Darauf muss man aufmerksam gemacht werden. Und dieses Geschenk hat sie mir gemacht.

❤ ❤ ❤

Glücklich trete ich raus in die Sonne

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